Filmarten, wie Dokumentarfilme

Der Dokumentarfilm soll möglichst objektiv berichten. Der Film, sowie andere, ähnliche Filmarten, greift nicht in die Vorgänge ein, sondern zeigt die Wirklichkeit möglichst ungeschminkt. Das ist zumindest der Eindruck, der vermittelt werden soll. Es ist natürlich voellig unmöglich, einen Film zu machen, der nicht die Meinung seiner Hersteller wiederspiegelt. Wir können beim Dokumentarfilm zwischen Naturfilmen, Tierfilmen und Sozialstudien unterscheiden. Dem Film stehen verschiedene Möglichkeiten der Darstellung zur Verfügung. Die einfachste Variante ist natürlich, den Ausschnitt von der Wirklichkeit so zu zeigen, wie sie sich präsentiert. Solche Filme sind aber sicherlich nicht besonders anregend, eventuell sogar langweilig bis nichtssagend. Die Zuschauer müssten sich fragen, was dieser Film denn nun sagen soll, sie möchten den Grund wissen, warum sie sich diesen Film anschauen sollen. Ein Dokumentarfilm muss also ebenso eine Geschichte erzählen, wie ein Spielfilm. Der Film muss auf ein Phänomen fokussieren und es verständlich machen. Im Naturfilm muss der Regisseur einerseits die Vorgänge, die er zeigen will sozusagen raffen - wenn er also die Kondensation von Seewasser zu Regenwolken zeigen möchte, lohnt es sich gewiss nicht, stundenlang die See und den Himmel zu filmen. Schließlich sind diese Vorgänge nicht nur sehr langsam, sondern auch zu großen Teilen für das menschliche Auge unsichtbar. Hierzu kann er sich des Zeitraffers bedienen, mit dem er wenigstens die Wolkenbildung zeigen kann. Er kann auch neben die Naturaufnahme die schematische Darstellung der Vorgaenge stellen, die den Vorgang einerseits verdeutlicht, aber andererseits auch den objektiven Charakter verfälscht. Darüberhinaus kann er sich verschiedener Tontechniken bedienen. Die einfachste Methode ist das Voice-over für alle Filmarten dieser Kategorie. Ein Schauspieler spricht einen Text, der das Bild erklärt. Der Sprecher kann die Abläufe dergestalt erklären, dass zeitliche Dimensionen deutlich werden, er kann nicht sichtbare Vorgaenge erläutern und das Geschehen in einen Zusammenhang mit Phänomenen an anderen Orten bringen. Darüberhinaus kann der Ton gewisse Stimmungen beim Publikum erzeugen. Die Situationen im Film müssen von den Zuschauern auch emotional gedeutet werden können. Dazu reicht das gesprochene Wort nicht immer aus. Die Morgenstimmung von Edvard Grieg wirkt sich automatisch auf die Bedeutung eines Bildes für den Zuschauer aus. Auch andere akustische Untermalungen, wie zum Beispiel ein klickendes Geräusch wenn man einen Ameisenhaufen betrachtet, schlürfende Geräusche, wenn eine Schnecke vorüberzieht oder ein Rauschen, wenn ein Ast fällt machen die Bewegung für den Betrachter fassbarer - auch wenn voice-over, musikalische und akustische Untermalung den Dokumentarcharakter vom Anspruch der realistischen Darstellung entfernen.

Filmarten, wie Tierfilme

Im Tierfilm, der als einer der wenigen unter allen bekannten Filmarten, gewisse Verhaltensformen zeigt, muss der Regisseur sich einerseits den zeitlichen Gegebenheiten anpassen. Tiere unterliegen einem festgelegten Rhythmus. Paarungs- Migrations- und Ruhezeiten sind von der Jahreszeit abhängig und lassen sich im Labor nicht oder nur schwer nachstellen. Nachtaktive Tiere verhalten sich anders, wenn sie von Scheinwerfern angestrahlt werden, Jagdwild wird nervös, wenn es menschliche Witterung aufnimmt und die meisten Tiere nehmen einen dem Menschen ohnehin nur schwer zugänglichen Lebensraum ein. Der Regisseur muss also die Situationen abwarten, hervorrufen, oder schaffen, die er dann filmen kann. Im Tierfilm stellen sich erstmals auch moralische Fragen. Etwa ob man das Beutetier dem Jäger ins Revier bringt, damit das Jagdverhalten dargestellt werden kann, ob man der Gans das Ei stiehlt, um das Brutverhalten zu studieren oder einfach ein Loch in den Ameisenhaufen macht, um das Schwarmverhalten beobachten zu koennen. Es stellt sich hier erstmals die Frage, inwieweit der Eingriff in das Leben der Tiere den Dokumentarcharakter nicht verfälscht. Noch schwieriger gestaltet sich der objektive Blick auf menschliches Verhalten. Der Mensch verhält sich prinzipiell anders, wenn er sich beobachtet weiß. In Dokumentationen, die Menschen in Situationen zeigen, wo sie sich unbeobachtet fühlen, wo sein Augenmerk auf einem anderen Schwerpunkt liegt, oder wo er von anderen Faktoren abgelenkt wird tritt dieser Unterschied besonders stark zutage, wenn sie im selben Film zum Beispiel in Interviews gezeigt werden, zum Beispiel in Reportagen zum Beispiel über öffentliche Auseinandersetzungen wie Streiks, Kriege oder Demonstrationen, wenn die Beteiligten später zu den Geschehnissen befragt werden.

Filmarten, wie Reportagen

Gerade bei Reportagen über menschliches Verhalten, die eigentlich nicht zu den typischen Filmarten zählt, prägt der Regisseur den Eindruck der Zuschauer durch die Auswahl der Bilder, durch die Fragen die er stellt und durch die Einstellungen, die er für die Präsentation der beteiligten Menschen wählt. Es ist also einerseits schwierig, menschliches Verhalten unverfälscht für den Film einzufangen, eben weil der Mensch sich vor der Kamera anders verhält als normal. Andererseits verfälscht der Blick des Regisseurs den Eindruck vom Menschen für das Publikum Deshalb ist im Dokumentarfilm über Menschen die Inszenierung, die subjektive Meinung des Regisseurs am deutlichsten spürbar. Aber auch wenn Naturfilme objektiver wirken, fällt die Aussage eines Filmes über das Wattenmeer anders aus, wenn er im Auftrag einer Umweltorganisation gedreht wird oder wenn er von einer, sagen wir mal, Ölfirma gesponsert wird.